Arbeiten im Fegefeuer

Im Stahlwerk Peine absolvieren acht Cat Laderaupen bei der Schlackeverladung den heißesten Einsatz Deutschlands

Anhand des Stromverbrauches kann man den Einschmelzvorgang zeitlich abschätzen. Daher befindet sich im Blickfeld des Fahrers für jeden Ofen eine Stromverbrauchsanzeige. Der Fahrer weiß, nach wie viel Kilowattstunden der Schmelzvorgang abgeschlossen und die Schmelze zum Abgießen bereit ist. Von der Beladung des Ofens mit 115 Tonnen Schrott bis zum Abstechen des flüssigen Stahls vergehen im Schnitt rund 40 Minuten.

Der Sicherheitsstandard orientiert sich an der Luftfahrt, bei der ein Ausfall einer Sicherheitseinrichtung immer durch mindestens eine gleichwertige Einrichtung ersetzt wird. Zum Beispiel sind die Ampelsignale redundant geschaltet und werden in die Fahrerkabine übertragen – sollte die Ampel einmal defekt sein. Vom Ofenleitstand aus wird der Laderaupeneinsatz per Video überwacht. Eine eigene Funkfrequenz wurde für die Fahrer, den Ofenleitstand und den Sicherungsposten eingerichtet, um umgehend vor möglichen Gefahren zu warnen. In Peine gilt: Was technisch machbar ist, muss zugleich immer auch absolut sicher sein.

Die Eisen- & Steingesellschaft Horn ist seit 1922 im Bereich der Aufbereitung von Stahlwerksschlacken tätigt und erbringt Dienstleistungen in insgesamt fünf Stahlwerken. Dementsprechend versiert und erfahren ist der Betrieb. Längst wurden in Peine ein entsprechendes Arbeitsschutzprogramm sowie ein Notfallplan zusammen mit der Arbeitssicherheit von Salzgitter auf Basis einer Gefährdungsbeurteilung implementiert. Nun will der Betrieb im Rahmen des Gütesiegels „Sicher mit System“ die Organisation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes durch eine neutrale Stelle überprüfen und bewerten lassen. Das Audit hat die Eisen- & Steingesellschaft Horn für 2013 geplant.

Was für das Unternehmen spricht: Es wollte sich nicht mit der schon vielfach bewährten Stahlwerksausführung seiner Laderaupen zufriedengeben und rüstete hinsichtlich Sicherheit auf, um die Laderaupen noch besser an die Einsatzbedingungen vor Ort anzupassen. So sind zusätzliche Löschungsleitungen installiert und die Fahrer erhielten für den Notfall Brandfluchthauben, damit sie unbeschadet den Gefahrenbereich verlassen können und keine Rauchgasvergiftung erleiden. Außerdem waren auf Kundenwunsch noch Sonderumbauten erforderlich, die Servicemitarbeiter der Zeppelin Niederlassung Hanau vorgenommen haben. Sie vergrößerten den Dachüberstand an der Kabine und passten das Laufwerk an, damit sich aufgrund der Hitze dessen Rahmen nicht verzieht. Aufgeschaltet werden musste eine Feuerlöschanlage. „Das war gar nicht so einfach, den passenden Auslösemodus bei diesen Temperaturen im Brandfall zu finden“, meint Frank Neumann.

Um einen Einsatz unter diesen Bedingungen erst möglich zu machen, haben die Laderaupen eine Abschleppeinrichtung erhalten. Denn droht Gefahr, muss sich der Fahrer sofort in Sicherheit bringen können. „Sollte eine der beiden Laderaupen beim Schlackeladen eine Havarie erleiden, kann sie der Fahrer ohne fremde Hilfe rausziehen und steuern. Das Bergen darf maximal drei Minuten in Anspruch nehmen. Der Ernstfall wird immer wieder mit dem Personal trainiert“, so der Betriebsleiter Meiling. Eine weitere und neue Vorkehrung dient dem Schutz des Fahrers, sofern er nicht mehr in der Lage sein sollte, die Bremse mit der Handpumpe zu lösen. Dann wird der Fahrantrieb der Laderaupe hydraulisch durch eine Stickstoffblase freigegeben, die sich freisetzt. Umgesetzt haben diese Features die Zeppelin Niederlassungen Hanau und Hannover sowie die Zeppelin Customizing Abteilung in Abstimmung mit der Dekra und der BG.

Von entscheidender Bedeutung ist die Verfügbarkeit, denn am Einsatz der Baumaschinen hängt die Stahlproduktion und diese darf nicht unterbrochen werden. Deswegen stehen auch entsprechende Ersatzgeräte bereit – sicher ist sicher. Für den Schlackeneinsatz sind pro Ofen zwei weitere Stand-by-Maschinen vorgesehen. Damit die Maschinen nicht ausfallen, sorgt Zeppelin zusammen mit der unternehmenseigenen Instandhaltung und drei Mitarbeitern für einen reibungslosen Betrieb. Wartungs- und Reparaturarbeiten übernimmt die Niederlassung Hannover aufgrund der Standortnähe zu Peine. „Wir müssen schnelle Hilfe leisten können, worauf sich das Unternehmen verlassen kann“, verspricht Frank Fischer, Leiter des Zeppelin Servicezentrums Nord.

Weil das in der Vergangenheit gut funktioniert hat, wurden auf der bauma vier neue Cat Laderaupen 973D bei der Zeppelin Niederlassung Hanau für mehrere Standorte der Unternehmensgruppe geordert, die in Kürze ausgeliefert werden. Die Maschinen unterliegen einem starken Verschleiß – schon nach den ersten Betriebsstunden legt sich um das gelb-schwarze Cat-Design eine graue Schicht aus Staub. Filter müssen darum täglich überprüft werden. Doch nicht nur der Staub entfaltet eine abrasive Wirkung, auch der Kontakt mit der Schlacke wirkt sich auf die Laufwerksketten, Zähne und Schaufeln aus. Zähne halten im Schnitt 200 Betriebsstunden. Eine Schaufel muss durchschnittlich nach 1 200 Betriebsstunden aufbereitet werden. Und wenn die Laufwerke ihren Geist aufgeben und eine Reparatur aussichtslos ist, werden sie zusammen mit dem Schrott der Stahlproduktion zugeführt. So haben die Baumaschinen einen weiteren Anteil an der Stahlproduktion – diesmal allerdings aus einer anderen Warte.

Stahlproduktion in Zahlen
2012 produzierte Deutschland rund 42 Millionen Tonnen Rohstahl. Damit sind wir laut dem Stahlinstitut VDEh der größte Rohstahlproduzent in der EU. Weltweit belegen wir Platz sieben – nach China, Japan, den USA, Indien, Russland und Südkorea. Allerdings war die Rohstahlproduktion im Mai um 1,5 Prozent auf 3,65 Millionen Tonnen rückläufig, was an der Rezession in weiten Teilen Europas und dem hohen Wettbewerb auf dem Stahlmarkt liegt. Auch der lange, kalte Winter sorgte in der Baubranche für eine niedrige Nachfrage seit Jahresanfang. Das bekommt auch das Werk Peine der Salzgitter AG, Deutschlands zweitgrößter Stahlproduzent, zu spüren, das auf eine jährliche Produktionskapazität von rund zwei Millionen Tonnen Rohstahl ausgelegt ist.
Über die Schlacke
Schlacke, ein Begriff aus der Metallurgie, bezeichnet die kristallin erstarrten nichtmetallischen Schmelzrückstände. Sie bilden sich bei der Stahlproduktion, wenn sich die mineralischen Bestandteile des geschmolzenen Erzes abkühlen. Stahlwerksschlacke gilt als industriell erzeugtes Gestein, das aufbereitet als mineralischer Baustoff im Straßen und Tiefbau oder als Düngemittel in der Landwirtschaft genutzt wird.

Weitere Informationen finden Sie unter www.zeppelin-cat.de.

Kontakt

Klaus Finzel
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